NETZWERK ALPINER KULTUREN
In Europa stellen die Alpen einen spezifischen Kulturraum dar, der mit keinem anderen vergleichbar ist. Pro Vita Alpina arbeitet mit zahlreichen Initiativen für eine eigenständige Kultur- und Regionalentwicklung im Alpenraum zusammen und will ein Zentrum für Dokumentation, Forschung und Lehre für Kultur und Entwicklung der Alpen bilden. Daraus entsteht das "Netzwerk alpiner Kulturen". Wenn dabei Kunst und Kultur einen Schwerpunkt bilden, so geschieht das unter der Prämisse, "dass sich die Kultur nicht mehr auf das beschränkt, was gemeinhin als Hochkultur (Bildende Kunst, Musik, Tanz, Theater, Literatur) bezeichnet wurde". Der Begriff "Kultur" umfasst heute auch die volkstümliche Kultur, die industrielle Massenkultur und die Alltagskultur. Diese Begriffsausdehnung resultiert daraus, dass die Kultur nicht mehr als subsidiäre Tätigkeit, sondern als gesellschaftliche Triebkraft, als Faktor von Schöpfertum, Vitalität, Dialog und Kohäsion betrachtet wird. Von daher ist die Kultur eng mit den Antworten verbunden, die für die großen Herausforderungen der heutigen Zeit gefunden werden müssen (vgl. EU-Programm "Kultur 2000". Erstes Rahmenprogramm der europäischen Gemeinschaft zur Kulturförderung 2000 bis 2004. Brüssel, 1998, S. 3). Das Spektrum für eine eigenständige Kultur- und
Regionalentwicklung im Alpenraum wird daher im Prinzip Volkskultur und Hochkultur
umfassen, doch wird ein Schwergewicht auf der Volkskultur liegen. "Alpine Volkskultur"
als regionale (aber durchaus facettenreiche) Kultur des Alpenraumes ist geprägt
von den naturräumlichen Gegebenheiten und den damit verbundenen ökonomischen
Möglichkeiten. Sie ist als "kulturelles Erbe" auch historisch, darf
aber nicht nur am Historischen gemessen werden. Sie hat Anteil am Schöpferischen
und beweist ihre Lebenskraft in der Gegenwart. Sie kann und soll Basis und Triebkraft
sein; das kann in Festen, Riten und Bräuchen liegen, in den Sprachen, im Bauen
und Wohnen, im Essen und Trinken, in Nachbarschaft und Solidarität, in Handwerk
und Kunstfertigkeit, Religionen und Mythen, Sagen, Märchen, Musik, ... . Darüber hinaus werden vor dem Hintergrund von Globalisierung, Freizeit und Mobilität kleine Räume, Regionen, immer wichtiger. Darin liegt einer der Anreize der Alpen für Städter und Touristen. "Material für Unterscheidbarkeit und damit für Identitäten liefert vor allem die Volkskultur. Sie wird zum Reservoire für die Muster des Lokalen. So ist mit Volkskultur die Idee der tiefen und dauerhaften Begründung durch den Bezug aufs Historische und Lokale verknüpft" (K. Köstlin). Durch die Verbreitung volkskulturellen Wissens und die Neubewertung der Volkskulturen entsteht ein Instrument der Gegensteuerung gegen Rassismus, Nationalismus, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit. Die Alpen als Lebens- und Kulturraum für rund 12 Millionen Menschen, mit 120 Millionen Gästen, 500 Millionen Nächtigungen pro Jahr, einem etwa 15prozentigen Anteil am gesamten Welttourismus und mit einer nachweislich zehntausendjährigen Kulturnutzung bieten sich an als Ort lebendiger Auseinandersetzung und kultureller Aneignung.
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