Texte von und über Hans Haid
betrachtungen über tirol zum erscheinen des neuen haid-buches „Neues Leben in den Alpen“ im mai 2005 im böhlau-verlag
Hans Haid, 12.3.2005noch nie erschien mir dieses verfluchte, dieses geliebte, gehasste, zerstörte land tirol so zerbrechlich:
auf den blumenreichen wiesen der bauernbundfunktionärslügen gedeihen disteln. maulwürfe bohren neue wohlstandshügel. gemästete wohlstandsbäuche stinken in der touristensonne. fern der realität kleiner bergbauern in den hintersten dörfern und ganz droben ohne die sogenannten „segnungen“ des massentourismus.
zeitungsmeldungen in tirol
immerzu geht es von oben herunter bergab, rasant, unaufhaltsam. schöne worte, böse worte, wahre worte, aus den jüngsten und aktuellen zeitungsmeldungen in tirol aufgesammelt:
| der bischof wirbt für bioprodukte (t.t. 2.12.2004) |
(das „haus der begegnung“ in innsbruck soll hochleben! die kost ist prima!)
| 400 biobauern wollen nicht mehr bio sein (t.t. 11.3.2005) |
recht haben sie. biowirtschaftende bauern werden schändlich behandelt, werden schrittweise entmündigt und amtlich-bauernfunktionärsschlau diskriminiert. warum auch bio?
die „tirol-milch“ bekommt jährlich ca. 25 millionen liter bio-milch angeliefert, verwertet und zahlt den bio-zuschlag aber nur von ca. 8 millionen. die anderen 17 millionen gehen zurück in die konventions-massenkessel ohne zuschlag. die wohlwollend gepriesene agrarmarketing tirol fährt kaum oder gar nicht oder missmutig auf „bio“. das ist fast täglich zu hören und zu lesen. warum also „bio“ weitermachen?
| EU dreht am geldhahn, tirols bauern kämpfen um existenz (t.t. 7.3.2005) |
sie wurden ja hineingetrieben, hineingelockt in die EU und es gab in den vergangenen wohltätig verteilte almosen über ÖPUL usw. damit wird ab 2007 aus sein.
| die aufgabe der viehhaltung bedroht die kulturlandschaft im oberland (t.t. 9.3.2005) |
also werden nicht nur 400 biobauern aufhören. hunderte konventionell wirtschaftende berg-bauern im lande werden aufhören. in die touristische sklaverei entlassen. dienend.
vieles könnte und müsste positiver klingen:
| bauern schwören den handel auf tirol ein (t.t. 8.3.2005) |
gut & schön. aber es sind winzige pflänzchen der scheinheiligkeit und bäuerlicher besänftigungs- und beschwichtigungs-politik. sowieso - wenn möglich - ohne bio oder doch mit ein bischen bio und vonwegen ein wenig bio-milch und etwas von bio-alpin. nur ein anfang. und wie soll es weitergehen? der handel hat begonnen. die bioküche im bischöflichen haus der begegnung macht konsequenz möglich.
wo stecken die großen sündenböcke, verhinderer und die oberste garde der tyrolischen agrar- und tourismus-manager (steixner, penz, margreiter, van staa, eberle...)? null bio? und wenn schon, dann eine kleine brise davon und nur ja nicht in eine links-grüne müsli-ecke geraten. und so ging und geht es weiter. auch gut?
| MPreis zahlt fairen milchpreis |
immerhin mit 18 molkereiprodukten von bio-alpin. dank des unermüdlichen engagaments von heinz gstir ist bio-alpin als alpenweit einzigartige marke möglich geworden.
neues von der bio-käse-front
mit bio-sennereien und bio-käsereien unter anderem in see/paznauntal, prutz, niederndorf, bei den „hatzenstädtern“ am niederndorferberg, in schwend, kössen etc. kommt tirol an die allervorderste stelle von ganz österreich; mit fast der hälfte aller halbwegs ergiebigen und gewichtigen bio-produktionsstätten in ganz österreich.
ich lobe und preise alle kreativen und alle mutigen projekte der alleinig nachhaltigen agri-cultur der alpen, also der kostbaren und köstlichen stätten der herstellung, der veredelung und der vermarktung. leider sind alle wichtigen pioniere abseits der agrar-lobby entstanden. ich kann das alpenweit, nicht nur tyrolerisch beweisen.
bio-hotels
also lobe und preise ich die von tirol ausgehende initiative der „BIO - HOTELS“ durch ludwig gruber und seine partnerschaften in österreich, italien, der schweiz und von deutschland. die kleine feine tourismus-nische hat jetzt 22 betriebe. sechs davon sind in tirol. eines davon ist der „schweitzer“ in mieming. eine modellstation. ebenso das „panorama“ in mals. ich gratuliere.
aber die offizielle tourismuswirtschaft, die großen aus vier- und fünfstern, die manager, die tirol-werbungs-herrschaften ziehen nicht mit. im gegenteil. wenn bio mit „natur“ und naturschutz und mit nachhaltigkeit zu tun haben will, muss ich allerschärfstens die widerlichen ergüsse des leitartiklers alois schöpf im „saison tirol“ vom winter/frühling 2005 seite 10 zum letzten journalistenmist dieses landes schaufeln. „zwischen profilierungsneurose und wahlanbiederungsgeschleime“ polemisiert er sprach- und wortgewandt generell gegen kritische aktionen im naturschutz, versteht nicht, „am fuß der serles, in der nähe des blumenreichen blaser, noch auf den herbstlichen nösslacher feldern“ dass es eine transitbelastung, eine wahre transithölle für die geplagten bewohner geben könnte. alle diese mahnenden worte zum naturschutz wären tourismusschädlich. ja, „die touristiker wären gut beraten, nicht darauf zu warten, bis die grün- und umweltbewegten unser land europaweit mit einem neuen und zweifelsfrei wieder genialen negativbegriff punziert haben. tirol ist kein sanierungsgebiet.“ als „stimme der tirol-werbung“ ließ der margreiter den schöpf munter und gehässig agierend nach vorne breschen. zum schaden des landes und seines tourismus.
urlaub am (bio)bauernhof
etwas beglückend erfreuliches aus dem tourismus muss ich entgegensetzen. „URLAUB auf BIOBAUERNHÖFEN“ von „URLAUB AM BAUERNHOF“ und das europaweite netzwerk „ferien auf biohöfen“.
in ganz österreich machen knapp über 100 bäuerinnen und bauern mit. immerhin neun davon sind in nord- und osttirol. keiner in der muster-naturschutzregion „hohe tauern“. schade. aber die neun sind interessant. zwei oder drei drohen abzuspringen. dann bleiben nur noch sechs.
das wenige ist erfreulich, weil bäuerinnen mit leib und seel dabei sind. und eine einzige schutzhütte des deutschen alpenvereins mit weitgehend bio liegt hoch über dem ötztal: die erlangerhütte mit der pächterfamilie schmid aus umhausen.
öko-kühe und bio-schafe
schade, dass die jahrelang angepriesene qualität der „ÖKO-KUH DER ALPEN“ für das tiroler grauvieh als „rätisches rind“ nicht durchgehalten werden konnte. wenn der manager-kopf zu gurgl nichts mit "bio" zu tun haben will, wird's auch kein bio-rind der alpen geben. und überhaupt keines.
nicht besseres weiß ich von meinen bio-schafen zu berichten. es gelingt und es gelingt nicht, die tausenden von hochqualitativen, auf tirolischen almen genährten schäflein als gesunde bio-schafe beispielsweise im tourismus organisiert und gemanagt zu verwerten.die hiesigen schafverbandsherren sind nicht präsent. da kommt der robert zehentner vom salzburger tauernlamm, kauft im tiroler oberinntal tausend und mehr gesunde schäflein und verwertet sie im tourismus. nicht in tirol, nicht bei den türken. bei den hoteliers in saalbach und anderen stationen.
versagen der offiziellen politik
es versagt die offizielle agrar-politik auf allen bio-ebenen.
es versagt in dramatischen maße die offizielle tourismus-wirtschaft im lande tirol.
es gäbe ja einen landeshauptmann, zugleich zuständig für landwirtschaft und tourismus.
wie steht's generell und bei den oberhäuptern speziell um diese heiklen heißen eisen von landwirtschaft und naturschutz, von bio-landwirtschaft und dem gesunden essen in den landeseigenen großküchen? in anderen bundesländern klappt es, weil die politik will:
in niederösterreich, oberösterreich und wien in ganz besonderer quantität und qualität.
der tirolische agrarierhaufen will davon nichts wissen. ein „grüner“ antrag ging daneben. wurde eher ausgepfiffen als tyrolisch-pfiffig aufgegriffen. es ist so: bio im bischöflichen haus der begegnung und in einem innsbrucker altenheim bleibt die winzige ausnahme des bio-winzlings. dumpf und hörig wird agrarpolitisch gebrütet. dann kommt die sogenannte gletscher"erschließung" am gepatschferner und im pitztal und dann kommt die offizielle pressestimme der agrarier und opponiert in scharfen bis gehässigen worten gegen die einsprüche der alpinen vereine und propagiert "pro" gletscherzerstörung. der herr direktor ludwig penz aus dem stubaital ließ dieses und anderes verlauten in einer presseaussendung der LK vom 16. august 2004. des bauern stimme?
so wird's dahingehen und weiter abwärts gehen. niemanden der derzeit in der verwaltung, im management und der politik zuständigen damen und herren, mitsamt der jungen herzeigefrau hirn, traue ich es derzeit zu, dass sie imstande und willens wären, den festfahrenden karren aus dem dreck zu ziehen und beispielsweise konstruktiv-nachhaltige vernetzungen und kooperationen zwischen bio-landwirtschaft und tourismus herzustellen, aufzubauen und langanhaltend zu fördern. auf einen anderen karren in falschen geleisen, rasant talabwärts führend, hirnlos und desinteressiert, lassen sie sich sowieso spannen.
nachruf
so werden sich weitere hundertschaften von halbwegs aufgeschlossenen bio-bauern von ökologischem denken und handeln verabschieden. es werden sich darüberhinaus weitere hundertschaften von bergbauern und anderen bauern verabschieden. jaja und es werden sogar eine handvoll idealisten übrig bleiben; stur und unnachgiebig, fortschrittlich und nachhaltig. auch zum nutzen des allgegenwärtigen tourismus.
mein nachruf wird ein schrei. mein bergbauernhimmel friert. ich kenne, hasse und liebe dieses land. niemat ummha zen gewarmen. niemand da, der mich wärmt?
AMEN.












