Texte von und über Hans Haid
Gepatsch- & Fernergeschichten
Hans Haid, 3.5.2004Kürzlich wurden den Tirolern via ORF-Tirol erschütternd schöne Bilder des Gepatschferners in den Ötztaler Alpen in die Stuben und Kammern gesandt, Bilder einer überwältigend weißen und jungfräulichen Pracht zu Füßen der Weißseespitze, unmittelbar neben Weißkugel und Fineilspitze. Leider lauert dahinter eine maßstablose Horde von so genannten „Erschließern“ und Ausbeutern. Die bisher makellos weiße Weißseespitze (3528 m) soll „touristisch erschlossen“ werden. Diese zu erwartenden Zugriffe werden landeshoheitlich genehmigt und also abgesegnet. Es ist eine schreckliche Alpin-Apokalypse, die wir in den kommenden Jahren zu befürchten haben. Unter Alpen- und Gletscherkennern gilt der Gepatschferner mit seinen ca. 17 km2 als der dritt- bzw. zweitgrößte Ferner der Ostalpen, aber durch sein weites Gletscher-Plateau von ca. 5 km als alpenweite Besonderheit. Und damit optimal für hochalpinen Skilauf auch bei dramatischem Abschmelzen anderer Ferner geeignet !? Das wissen die Betreiber und Initiatoren. Und es wissen alle Kenner der Szenerie, dass damit langfristig auf keinen Fall der - angeblich - drohende Abwanderungsprozess im hinteren Kaunertal verhindert werden kann. Alle einsichtigen Köpfe wissen, dass es erstens diese Abwanderung nicht gibt und dass längerfristig nicht auf diese Snow-Schiene gesetzt werden kann. Ich habe gehört, wie sich namhafte Experten in Haiming bei der Fachtagung „Albtraum Alpenraum“ sehr skeptisch dazu geäußert haben. Ich weiß, wie sich der Deutsche und der Österreichische Alpenverein schützend hinter die alpinen Schönheiten und Kostbarkeiten unseres Landes stellen und wie sich die Alpenschutzorganisation CIPRA und das alpenweite Netzwerk der „PRO VITA ALPINA“ zum Leben und Überleben in den Bergen engagieren.
Einzigartige Naturlandschaft
In dieser Region der Alpen wurde vor 135 Jahren, vom Bergsteigerdorf Vent ausgehend, durch den Kuraten Franz SENN der Deutsche Alpenverein gegründet. Ich kenne dieses Gebiet der größten Gletscherflächen der Ostalpen und sogar der gesamten Alpen und weiß, dass es nicht nur eine einzigartige Naturlandschaft ist, ein Naturerbe erster Güte. Ich weiß, dass es auch eine Kultur - Region erster Klasse ist. Dort befindet sich der Lebens- und Wirkungsraum der SALIGEN FRÄULEIN, des „Wilden Mannle“, der „Niederjöchler“, der weiblichen Sagen- und Göttinnen- Gestalten rund um die Dana und die Tisen. Dort ziehen seit Jahrtausenden die Schafe über die Ferner. Dort ist im September 1991 in unmittelbarer Nähe der „ÖTZI“ wiedererstanden . Dort finden wir die größte Häufung an bisher unerklärbaren Bergnamen rund um Similaun, Ramol, Marzell, Firmisan, Vernagt usw., vermutlich aus präindoeuropäischen Sprachrelikten stammend, die über Jahrtausende von menschlicher Nutzung künden. Dort unter den mächtigen Fernern liegen nicht nur die Kristall-Paläste der SALIGEN als der „Herrinnen der Tiere“ und der Naturschützerinnen. Dort liegen auch die verschwundenen Städte DONANÄ, ONANÄ und TANNENEH, diese alpinen „Stätten der Sünden und des Lasters“ wie Sodom und Gomorrha. Apokalyptische Szenarien drängen sich auf. Bedenkenlos werden diese uralt- Stationen alpiner Kultur über den Haufen geschoben, verschüttet und zerstört, geschändet und kurzfristiger Gewinnmaximierung geopfert. Es ist unfassbar, was in den Herzen und Hirnen derer passiert, die solche schändlichen Zerstörungswerke wollen und zulassen. Wie weit haben sich diese Alpin- Menschen von ihrer Identität und der Pietät entfernt? Da muss sich eine grausame Mutation in ihren Herzen und Hirnen vollzogen haben. Was muss sich noch ereignen? Die Rache der SALIGEN? Ein neues TANNENEH? O weh! O weh!...und eppan wöll?






