Texte von und über Hans Haid
snow-cult, skitourismus, klimawandel und zerstörungs-szenarien
Hans Haid, 8.12.2007massenschitourismuszirkus
in der derzeitigen und in der zu erwartenden situation muß der massenschitourismuszirkus der paradeorte ischgl, sölden, gurgl etc. als größter schädling der natur und als verhinderer einer positiv-nachhaltigen entwicklung eingestuft werden. in der gier nach noch besserer vermarktung der berge, des schnees, der trachten und der jodelnden volksdümmlichkeit sind letzte grenzen erreicht und barrieren überschritten. nicht der „sanfte“ schilangläufer-wintertourismus ist gemeint, sondern die szenerie der mächtigen snow-zentren. dort wüten die schlimmsten, die gefährlichsten und perversesten „schädlinge“ als „zuhälter des ewigen schnees“. am gefährlichsten ist es bis hoch hinauf in die zonen ab 1800 und 2000 meter. dort haben bagger und sprengungen am schlimmsten gewütet. und dort wird es radikal und brutal weitergehen. die beispiele im pitztal mit dem „notweg“, im kaunertal mit dem geplanten „erschließen“ der 3520 meter hohen weißseespitze, das totalzerstörungschaos auf der 2670 meter hohen mut in obergurgl usw. lassen sich beliebig verlängern. unten kein schnee und dafür muß „oben“ gebaut, „erschlossen“ und zerstört werden. letzte "reserven" sind die gletscher. nirgendwo sonst ist das wüten der mafiosen typen so dramatisch, so schmerzlich. die wunden sind dann unheilbar.
klimawandel
der „klimawandel“ ist in dieser sensiblen gebirgs- und hochgebirgszenerie eine lappalie gegen die auswirkungen der zerstörungmafia der herren rund um gletscherbahnen, monsterskizentren, skizirkusse, beschneiungskanonen etc.die dabei angerichteten schäden und wunden in der alten natur-und kulturlandschaft im überaus sensiblen hochgebirge übertreffen alle klagen zu gletscherschwund und permafrost. wenn die armselige frau holle und der himmlische herr petrus nichts mehr zuwege bringen für die schifahrer, muß halt der mensch nachhelfen.gigantische baggerbrigaden wurden und werden hinaufgeschickt. wie im fall gurgl im ötztal werden uralt-torf-moore ausgebaggert, werden uralt-kultlandschaften zu tode gesprengt, werden berggipfel abgetragen, werden in uralten biotopen riesige kunstschneeerzeugungsteiche errichtet. zumeist und beinahe generell erfolgt das alles mit landeshäuptlichem segen wie beispielhaft-abschreckend in tirol. vorerst und kurzfristig werden arbeitsplätze geschaffen oder gesichert, müssen tausende „gastarbeiter“ die dreckarbeit in hotelküchen und wc-anlagen verrichten. weit und breit und in keiner der prominenten tourismusdestinationen finde ich eine passable und hoffnungsvolle spur von nachhaltigkeit und sensibilität. morgen und hinter denen breitet sich die sintflut aus. der energie-und ressourcenverschleiß speziell der kunstschneeproduktionen ist inzwischen gigantisch. der strom-und trinkwasserverbrauch überschreitet jedes maß nachhaltiger wirtschaftlichkeit. die hirn-und herzlosigkeit scheint in gleicher rasanz anzuwachsen. die offiziellen touristik-stimmen wie die der TIROL-werbung bestätigen das alles beispielhaft und exemplarisch. eifrig wird an den ästen des fruchtbaumes gesägt und gebohrt. der winterliche snow-tourismus ist harte realität und wird zur neuen religion erhoben. der anbetung des weißen kalbes kann sich niemand entziehen. amen.
zu den fragen und themen:
österreich ist geteilt. für eine kleine alpin-szene sind wir eine „nation der schifahrer“.
sinnbild und kennzeichen der alles andere als umweltverträglichen situation sind die derzeit überaus agilen zerstörungs-und kunstschnee-kanonen-kriege
ob das „moralisch“ vertretbar ist? es geht nicht um moral, sondern ums geld. das vergeuden unserer wasser-und energieressourcen für immer aufwändigere anlagen, lifte, seilbahnen, kunschschnee-seen usw. ist nachhaltig überaus negativ. wenn die brutalen natur-und kultur-zerstörer am sonntag dann wieder (wie in sölden) brav zur heiligen sonntagsmesse pilgern und die heilige kommunion empfangen und reichlich für „bruder in not“ spenden, ist die moral ja wieder da und alles ist o.k.
wegen des KLIMAWANDELs macht sich die allerhöchste tourismus-industrie nur verbal gedanken und äußert sie laufend bei kongressen und in zeitungsberichten. in wahrheit ist der klimawandel kein thema. auch die regionale kultur und die regionale landwirtschaft sind kein thema. ich kann nachweisen, daß die österr. tourismus-hotelerie von sehr sehr wenigen ausnahmen abgesehen, keine produkte der bauern kauft, sondern sie billigst über den spezialisierten großhandel bezieht. von BIO ist weit und breit keine spur. die fünf oder sechs bio-hotels in österreich machen das kraut nicht fett. kein thema sind in den großen zentren umweltschutz, naturschutz und ökologie.
die kulturelle und die moralische und die ökologische und die positiv-nachhaltige kompetenz ist in der hoch-und höchstentwickelten schi-tourismus-szene nicht vorhanden, wird derzeit weder propagiert noch geplant. dieser derzeitige typus des aufgeblähten schi-und snow-zirkus wird erst „umdenken“, wenn es katastrophen gibt.
es kann und könnte ein sensibles umdenken geben. vielleicht ist der nobelort lech eine ausnahme. vielleicht sind sanftere formen des wintertourismus in enger kooperation a) mit dem naturschutz b) mit der (bio-)landwirtschaft c) mit der kultur möglich. (siehe dazu u.a. mein buch „neues leben in den alpen“ (böhlau 2005). dort habe ich viele modelle beschrieben und habe positiv-fakten aufgelistet.
wie wird also der heimische schitourismus anno 2050 aussehen? erstens kunstschneeproduktion total in reichen orten auch bei zehn grad plus. zweitens immer höher und höher hinauf: ausbeutung der gletscher solange es sie noch gibt. das könnte sich auf den größten von ihnen bis 2050 noch ausgehen (z.b. gepatschferner in den ötztaler alpen).
bis 1800 hinauf wird es den bisherigen snow-tourismus nicht mehr geben.
alternativen
ALTERNATIVEN zeichnen sich eigentlich nicht ab. solange es solche zuwächse gibt, muß nicht über alternativen nachgedacht werden.
nur ein dramatisches szenario einer anhäufung von katastrophalen (natur-)ereignissen wird einen wirkliche wandlung bringen. „hinter uns die sintflut“. oder?
(anmerkung 1) der chefredakteur von „biorama“ mag.martin zolles hat um einen text und um statements angefragt und hat um beantwortung einiger fragen zum schi-tourismus gebeten. in scharf-pointierter form habe ich geantwortet. dazu auch noch das überarbeitete gedicht „mitten unter uns die umweltverbrecher“ zugesandt.
(anmerkung 2) im fall „gurgl“ ist es so schlimm, daß die seit 1977 bestehende auszeichnung für das UNESCO-biosphärenreservat (bzw. BIOSPHÄRENPARK) höchstwahrscheinlich aberkannt werden muß. so etwas hat es bisher nicht gegeben. ich sage: AMEN & sall wöll.










