Danksagung

danksagung für den otto-grünmandl-literaturpreis am 1. märz 2010

gehalten anlässlich der preisverleihung im großen saal des landhauses
Verleihung des Otto-Grünmandl-Literaturpreises an Prof. Dr. Hans Haideine art homage auf otto grünmandl und das TYROLISCHE :

die bilder gleichen sich. otto grünmandls vater war „mosaischen bekenntnisses“, seine mutter kam aus niederösterreich (siehe dazu antonio fian in „die zeit“ vom 25.2.2010)

die tiroler landeshymne verdanken wir einem text von julius mosen, einem dichter aus sachsen und die musik dem niederösterreicher leopold knebelsberger. alle sind „TYROLER“ geworden (so tolerant kann dieses land sein)

ich hock im eis ich hock im nest
mir ist so kalt so kalt im tal im land
und jetzt ein preis ? ein solcher preis ?
ich will heraus das land ist kalt ist grau komplett verseucht
gräuel der verwüstung wöltan töll rundum verschandelt rustikal landauf landab und tausendfach so schrecklich zugerichtet alpenmonster scheusal

land der kontraste: keines ist wie unseres & nirgendwo so viele kultur-und bürgerinitiativen soviele biobauern und blasmusiker wöltan viil und scheane sall wöll und schneekanonen und gewehrkolben haufenweis und
ein solcher pseudo-patriotismus eppan goor

dank dem otto grünmandl und den halbwegs mutigen preisverleihern
preisträgerhuldigern lobrednern allen mutmachern und die allesamt hierhergekommen sind wöll wöll

honn i wöll gseet: fünf kleine tausender für ein lebenswerk für 60 jahre sammeln bauen schreiben poltern predigen mahnen & loben…beschämend armseliges almosen – dem südtiroler oswald egger für neuen pastior preis aber 40.000 (!!)

und ich schreie es von unserem ROALE hinaus und hinauf und urchn iibrs jöch und toolaus und toolinn und gaaling und gaaling gonz außn bei toole. kemet und schauget: dort stecken sie an 20 angebliche kulturmillionen in eine mehr als zweifalhafte und dubiose berg-isel-museumsleiche…millionen dort setzen sie 660 landestausender an der mündung der ache in den sand sowieso AREA 47 & eppan wöll wenn das wasser kommt die große flut alles weg und draußen alles weggeschwenzt die neue kultur die fantasie die visionen das radikale und alles zuschanden gejodelt verdodelt preisgegeben dem goldenen kalb dem kastrierten monster:

dann ist es kalt geworden

keemet keemet und schauget und löösnt wie es trieft und wie fettschmalzig alles daherrinnt heraus aus dem stickig-leeren ORF-loch wie es erbärmlicher gar nicht mehr sein könnte mit diesem unaufhörlichen geduldel und geschnulze und dem unsäglichen dazwischengeschwätz irgendwelcher moderatoren und wie es weitergeht in der landesmonopolkulturvernichtungsTT dieser wie es franzobel gesagt hat „verseitenblickisierung“ und noch viel schlimmer sag ich und will es hinausschreien:

das land ist tot das land ist kalt das land das stirbt

wenn es so weitergeht

ich habe angst um dieses land um dieses tal

und mehr noch als lawinen transitlawinen muren felsstürze erdbeben die unaufhaltsame austrocklung der bergtäler fürchte ich das dahingenerieren der ehemals stolzen älpler fürchte ich das beständige und schier unaufhaltsame mutieren eines ehemals stolzen bergvolkes und immer wieder werden diese goldenen kälber und herrgötter verehrt und das neue beherrschtwerden von ihren anführern droht allen voran gletscherherren seilbahnbosse zuhälter charakterschweine (zumeist katholisch) ich höre das zerbrechen der alten kulturen das zugrunderichten fortschrittlich-radikaler volkskultur neuer kultur provokanter nahhaltiger kultur und sehe es so kommen: beinahe wie in sodom-und gomorrha mit einer scheinbar unabwendbaren apokalypse wie ich es gar nicht dramatischer schildern könnte wie der alte DANTE vor 800 jahren in seiner göttlichen komödie insbesondere in seinem 32. gesang mit der schilderung schlimmster höllenqualen der schrecklich im eis eingefrorenen leiber der im eis zusammengeklebten zungen und schädel.

„O DU VERMALEDEITES VOLK DAS DU DEN ORT BEWOHNST DER SCHWER ZU SCHILDERN IST: WEIT BESSER WÄRT IHR SCHAFE ODER ZIEGEN“ (vers 13-15)

ich könnte die neuen gefahren gar nicht eindrucksvoller schildern wie es der schweizerische dichter charles ferdinand RAMUZ in seinem buch „DIE GROSSE ANGST IN DEN BERGEN“ getan hat wenn eine schreckliche seuche ausgebrochen ist eine solche seuche wie sie ähnlich jetzt unserem lande droht oder wie es der ebenfalls aus dem wallist stammende französisch schreibende autor und poet maurice CHAPPAZ in seinem pamphlet „DIE ZUHÄLTER DES EWIGEN SCHNEES“ als drohendes szenario besungen hat und könnte auch den norbert c. KASER als schreibenden und klagenden zeugen der tirolischen sonderformen der entwicklung herbeiholen.

ich will weiterhin schreiben und poltern und mahnen und klagen und mithelfen beim ÜBERLEBEN in diesen kalten tälern und ländern…

ich will LICHT und will es wieder hell und warm haben: eppas zen feintunkn und wohlfühlen:

geplüemate fenschtrscheibenviirhänge
lei a nochtlampele prinnet
in an weinglaaslan
schwimmet a flüiga
asn völln pischlgschirre tröüpfet wossr
a hont toppet hoalach durchn hausgong
in gorchtn
schteat a paamen au und au völl mit plattlen
dr hunt pallet as seir hitten
a möspeerplattle vrtricknt
hundrcht möspeerplattlen
in hoaßes wossr gschittet
tee und a poor turchtelen drzüe
geplüemate fenschtrscheibenviirhänge
nocht…
und a oogelöschne
NOCHTLAMPELASLOMPA

ich danke für die ehre und das geld. ich will es nicht für mich.
ich will es für teile meines lebenswerkes.
ich gebe alles samt allen cent und euro heute noch einigen meiner KULTUR-kinder der ALPENAKADEMIE dem ÖTZTAL ARCHIV der MUSICA ALPINA den neuen projekten des NEUEN LEBENS IN DEN ALPEN

umsomehr und dennoch habe ich schneid und lust bekommen für das neue ÖTZTAL-LESEBUCH und den neuen „RUSILANA“ roman und für neue gedichten und olm di nüien gedichtlen vön suugelen vön schwolben vön leenen vö dr muusig vön töet mit seir sensen vön feintunkn und will morgen und übermorgen und überübermorgen auf den frühling warten afn langes auf ein schönes leben:

jo jo afa longes leebm
joo joo ollepött epparn
gegrießet schüehe oogezööhn
güet oogezaatschet
eppan goor
a puggele gemochet
olles gezoolt
mammen ze liebe olles getoon
gepeetet gfoschtet gehüeschtet
sellamool a wollforcht
ummgedraat hoamgongen
in himml auhn keemen
oahagewunkn
pfiet enk olle genondr
&
amen….

Foto: Verleihung des Otto-Grünmandl-Literaturpreises an Prof. Dr. Hans Haid durch Landesrätin Dr. Beate Palfrader (Foto: Barbara Haid)