Texte von und über Hans Haid
Hansi und DJ Ötzi & Co als die neuen Tiroler Botschafter
Leserbrief für die Tiroler Tageszeitung. Hans Haid, 23. Juli 2009- Lesen Sie dazu auch den Artikel in der Tiroler Tageszeitung vom 23. Juli 2009 (als pdf-Dokument)
Ja ja, ich habe es nicht für möglich gehalten. Der Landeshauptmann kürt als neue Tirol-Botschafter den Hansi und den DJ und die jodelnden Barden der Tümlichkeit bzw. der Dümmlichkeit. Jetzt also kann der sommerliche und winterliche Tyrol-Tourismus weltweit jodelnd und schmalztriefend in eine neue Ära vorstoßen, weit über alle Gletscher hinauf in höchste Höhen. Es ist aber ein kultureller Tiefgang, eine perfid-perverse Verdrehung aller bisherigen Werte der heimischen Kultur- und Kunstszene, widerlich anbiedernd und hinaufgehoben in einen neuen landeshäuptlich abgesegneten Schnee- , Schlager- und Schnulzenhimmel. Ist das vom angeblich wehrhaften und aufrechten Tirolertum übrig geblieben? Es ist wahrlich beschämend und widerwärtig. Es ist in hohem und höchstem Maße kulturell kontraproduktiv. Mit diesem Tiefgang blamiert sich Tirol. Das fügt sich nahtlos in die andere Kulturebene, wonach „das Niveau der Masse als Kulturauftrag“ für unseren ORF zu gelten scheint, beispielsweise durch den Kahlschlag anspruchsvoller, „gehobener“ Musik. Das hat in der TT vom 20.7. Edith Schlocker sehr treffend „Quergedacht“ (Artikel als pdf-Dokument). Es paßt alles zusammen.
Ja ja, und es wäre landeshäuptlich konsequent, würde die neue Tirol-Werbungsmasche auf allen internationalen Tourismusmessen trachtlich aufgeputzt diesem neuen Kult frönen, garniert mit Schmalz und unaufhörlichem Suhlen in den allertiefsten Gefilden des verkommenen Musikgeschmackes. Welche Kulturen des Landes sollen diese neuen Botschafter des schlechten Geschmacks vermitteln? Kann Tirol das erste Land, die erste Tourismus-Destination der Alpen und Europas werden, in der ein Kernsatz des bekannten Schriftstellers Martin Walser zutrifft: „ich kenne nichts Obszöneres als den Betrug des Volkes in der Maske des Volkstümmlichen“? Klar: des Volksdümmlichen.
Amen und sall wöll und dann eine zünftige Sponserung und daneben das Aushungern der wirklichen Kunst und Kultur im Lande Tirol. Eppan nitt?
Das ist jedenfalls der denkbar schlechteste und widerlichste Versuch beim Aufbau einer tragfähigen, einer starken und eigenständigen Kultur als Werbeträger, auch des heimischen Tourismus. Da wird es halt die neuen „Epizentren“ geben, diese neuen „Stadel“ und Schuppen. Einer davon ist für Kitzbühel geplant. Und das alles soll unter der Marke „Volksmusik“ verkaufbar werden; als nächste plumpe Roßtäuschermethode. „Wertschöpfung“ soll das sein, habe ich am 23. Juli 2009 in der TT gelesen.
Ich schäme mich. Aus dem Zammer Lochputz heraus ist die Botschaft erklungen. Allein und gemeinsam mit dem Hansi „wallfahrtete“ dort der Landeshauptmann. Die neue „Bergpredigt“ ist erklungen. Wir saufen ab. Wir verschwinden jodelnd, schreiend und grölend im Loch.
Alles Gute weiterhin mein liebes Tirol!






