Home   |   Biografie   |   Aktuelles   |   Bücher   |   Tonträger   |   Projekte   |   Texte   |  Links   |   Presse

Texte von und über Hans Haid


Notizen zur Kultur im Tirol-Tourismus

Hans Haid, 26.4.2005

(Kommentar: „tiroler tageszeitung auf weisung des chefredakteuers raitan nicht angenommen“)

Jüngst saß ER vorne. Neben ihm gewichtige Tourismusstimmen aus Kitzbühel, dem Oberland, aus Innsbruck. LH Van STAA sprach es beim Jubiläumsfest der Tirol-Werbung am 20. April in der Villa Blanka offen aus: „Ich bin nicht glücklich über jeden Tourismusrekord“. Irgendwo in einer hinteren Reihe sitzend, notierte ich: Tirol brauche eine „risikofreudige Tirol-Werbung“. Und nur mit „außergewöhnlichen Wegen“ könne es weitergehen. Van STAA ließ erstaunen und aufhorchen: „bei allen Erfolgen auch auf Negativerscheinungen Rücksicht nehmen“. Horchet auf! Er meinte den Umweltschutz.

Rolle der Kultur

Was er und was andere nicht aussprachen: Umweltpflege und Umweltbewusstsein sind kulturelle Werte. Kultur muss wieder eine fundamentale Rolle in der Tirol-Werbung und im gesamten Tiroler Tourismus spielen. Welche Kultur? Auch die Kulturinitiativen sollten sich einbringen können. Sie stehen bisher als kreative Innovativ-Gruppen abseits. Warum denn? Welche Handreichung wäre zwischen der TKI (Tiroler Kulturinitiativen) und der Tirol-Werbung möglich, anzustreben, auszubauen? Positiv: St. Anton und das Ötztal! Oder gar: was meinen die hohen Touristiker und die kritische Stefanie Holzer am Podium zur neuen TIROLER-ABEND- Idee, sozusagen zu einer Weltmarke „Riverdance auf Tirolerisch“ oder „Cirque du Tyrol“? Um die Welt gehender Abklatsch ohne Fundierung im Lande?

Minderwertige Folklore und Scheinheiligkeit

Schenkelklopfende Trachtler im Dreifachsalto? Ein neues Image auf längst ausgetretenen Trampelpfaden von mieser, minderwertiger Folklore und Scheinheiligkeit? Ist dieses Tyrol-Klischee nicht sowieso schon längst malträtiert und korrumpiert, beispielsweise im sichtbar gewordenen und völlig deformierten Kulturbewusstsein im Bauen. Landauf, landab begegnen wir der abschreckend scheußlichen Außen- und Innen- Tourismusarchitektur zwischen Schweinsbarock, Möchtegern-Schlossherren, den Schwülstigkeiten, die nirgendwo in den Alpen mitsamt den neuen Wellnessburgen zwischen dem Gurgler Hochfirst und dem Außerferner „lieben Rotflüh“ so dramatisch abschreckend das Land zerstören; diese verschandelte Welt der alten Tirol-Kultur. Jetzt aber zwischen dem Geranien-Gejodel, der Angeberei, den Wagenrädern, Wappelen und Trachten-Dekorationen garniert. Gar nicht zu reden vom Allerdürftigsten, nämlich dem Gedudel und dem prostituierenden Musik-Gehabe der sozusagen Tirol-Werbungs-Botschafter Marke DC Ötzi oder dem Unterländer Hansi.

BIO und Volkskultur als Chance

Warum ist davon keine Rede gewesen, wo sich Tirol einzigartig positionieren könnte: beispielsweise in der Höchst-Qualität der Tiroler BIO-Produkte? Aus dem (ehemaligen) BIO-Musterland Europas könnte die neue Botschaft kommen. Auch in engster Verbindung zum so genannten „Qualitätstourismus“ und den neuen Wellness-Angeboten. Ich kann es sagen: alpenweit habe ich geforscht und recherchiert. Kein Land der Alpen könnte sich ein so hervorragendes und einzigartiges Image aufbauen wie Tirol. Leider engagieren sich wegen BIO die Verantwortlichen weder im Agrarbereich noch im Tourismus. Schade! Einzigartig ist Tirol im „NEUEN LEBEN in den ALPEN“. Tirol müsste seine lebendige VOLKS- und ALLTAGS-Kultur von gestern für morgen mitsamt der neuen Agri-Cultur europaweit und weltweit nutzen. Und alles könnte verstärkt werden mit dem einzigartigen Image der „ALPENKONVENTION“ und deren Büro im Goldenen Dachl. Es könnte das Signal von Tirol ausgehen: Wir sind das Muster- und Paradeland bei der Umsetzung der ALPENKONVENTION mitsamt allen Protokollen! Kein zweites Bhutan. Aber ein weltweit vergleichbares „anderes“ Vorzeige-Land sozusagen mit einer Weltmarke in der engsten Verbindung Umwelt plus Bio plus Kultur. Vielleicht auch wieder als „HERZ DER ALPEN“? eppan wöll?!