Texte von und über Hans Haid
Nachdenken über Tyrol?
Hans Haid, 18.11.2003 (Rundschau Imst, 18.11.2003; Briefkasten)Wo bleibt die Kultur in Tyrol?
Es schmerzt, wenn der Umweltaktivist und Volkskundler und Schriftsteller Hans Haid die aktuellsten Umweltkompetenzen von den Grünen zum Gurgiser hinüberschwimmen sieht. Als Sympathisant der Grünen und sogar als vorübergehender Sympathisant von Hannes Gschwentner (als er noch für den Naturschutz zuständig war) vermisse ich das Grün-Engagement vor allem zum Transit. Es schmerzt mich, wenn die Grünen in allen wichtigen Grundsatzerklärungen rund um Wahlen und Überlebenskrämpfe in weitem Bogen die Kultur ausklammern; den Halbtiroler van der Bellen nicht ausgenommen. Es schmerzt, dass Kultursüppchen immer dünner werden. Kärgliches Futter zum Überleben neben einer gigantischen Tourismuslobby, hochgelobt und allerhöchste Chef-Sache. Wenn's ums Liftelen und Bohren in den Fernern geht, erwächst uns die edelste „Kultur“ mit lila Lichterspielen am Wilden Kaiser, mit gastronomisch ausgeklügelten Jochdohlen-Menüs am Stubaier Ferner. Auch keiner von den Literaten oder den Kulturinitiativen schreit, wenn rund um die Umwelt allersensibelstes Kulturbewusstsein, als „cultura“ vonnöten wäre, aber gerade von dort her die massivste, die nachhaltigste, die tiefgreifendste Zerstörung des Landes vonstatten geht. Was muss noch alles passieren? Im Transitdilemma können unsere Politprofis sowieso nur der heimischen Frächterlobby in den stinkenden Auspuff kriechen. Dort stinkt's. Wie würde ich allerhöchste Freude und Genugtuung empfinden, wenn ich endlich Partner bei Grün und Kultur hätte beim Aufbau weiterer Initiativen zur Regionalentwicklung, beim Aufbauen von EU-gestützten Projekten zum Beispiel der „agricultur“, der Bio-Landwirtschaft, des sanften (nachhaltigen) Tourismus, der sinnvollen und integrierten ländlichen Entwicklung. Wie habe ich mich jahrelang darum bemüht, zumeist ehrenamtlich!
Boykottierte EU-Projekte
Zum Verzweifeln und zum Heulen ist es. Erst im vergangenen Monat musste ich eine Lieblings-Idee rund um grasende, gletscherüberschreitende und geduldige Schafe zu Grabe tragen, boykottiert auch von landwirtschaftlichen Dienststellen, „zemm ent und herent“, im Passeiertal, Schnalstal, zu Bozen, in Innsbruck, im hinteren Ötztal. Und es müsste - wiederum mit Hilfe der Grünen Opposition im Lande - nachgebohrt werden, welche Millionen in die Taschen irgendwelcher Günstlinge geflossen sind, welche mitunter höchst dubiosen Projekte aus EU-Töpfen via LEADER oder INTERREG gespeist und fettgefüttert als stinkende Fettwampen zerplatzen werden.
Da mag es analog dem stinkenden Kopf in EU-Gremien mitsamt den immer lauter werdenden Korruptions-Vorwürfen an höchsten Stellen ebendiesen Korruptionsweg bis hinunter zu Landesbeamten geben. Zumindest stinkt es sehr verdächtig danach. In schlimmen Krawallorgien drohen ehemals heilige Berge und Hügel des Oberlandes zu ersticken, zu ersaufen: und alles sanft übertüncht, frömmlich kaschiert von Jakobswegen und Frömmlichkeiten. Da sollte nachgefragt und hinterfragt werden.
Und die GRÜNEN im Lande? Immer dagegen und was dann? Es würde mich nach all dem Schmerz, der Trauer, dem Frust, dem Zorn und der Hilflosigkeit helle Freude überkommen, wenn wir jetzt miteinander an Entwicklungskonzepten arbeiten könnten: pro Pitztal, pro Lechtal beispielsweise. Eppan Wöll?






