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Texte von und über Hans Haid


Tyrol-Kultur Wohin?

Leserbrief für die Tiroler Tageszeitung. Hans Haid, 3.12.2008

(ich könnte auch zu diesem thema einen gastkommentar schreiben. grüßen sie bitte den herrn staud ganz herzlich von mir)

Kulturgasthaus BIERSTINDL

Ja ja „warten auf den Neustart“ hat die t.t. in der Ausgabe vom 2. Dezember über das Kulturgasthaus BIERSTINDL am Fuße des Berg Isel geschrieben. Es droht mit dem Abgang der bisherigen Geschäftsführerin und gemäß den düsteren Zukunftsaussichten das Ende, das Chaos. Beinahe die gesamte Tiroler Kulturszene ist so wie das sogenannte Kultur-Gasthaus am Fuße des scheinbar heiligen Patriotismusberges. Es kann beim besten Willen keine hoffnungsvolle Zukunft mit Freiheit, mit Mut, Witz & Widerstand geben. Zwei prominente und brave Traditionsverbände haben das sinkende Schiff bereits verlassen: Schützen und Trachtler. Immerhin fühle ich mich über und mit drei der dortigen insgesamt 15 Kulturvereine seit dem Start vor gut zehn Jahren mit dem Haus eng verbunden und teilweise mitverantwortlich.

Daß der Verein als derzeitiger Besitzer das Gebäude sich nicht vom Land Tirol abkaufen läßt, kann ich sogar verstehen, obwohl ich dagegen bin. Sonst droht nämlich eine weitere Kultur- und Kunstkonzentration mit künftig nicht absehbaren Folgen im höchst dubiosen Machtmonopol des Herrn Meighörner (Volkskunstmuseum, Ferdinandeum, Berg Isel usw.). Freiheit der Kunst und vor allem dieser Volks-Kultur, die als Basis- und Primär-Kultur auch fortschrittlich & emanzipatorisch & „radikal“ sein kann und sein muß! Die meisten Bundesländer verfügen über ein einschlägiges Kultur-Haus. Tirol hat nichts. Tirol hat bestenfalls statt der „Kulturkompetenz“ die gemäß Eigenlob von Touristikern hochgelobte „Schnee-Kompetenz“.

Übrigens ist das BIERSTINDL höchst empfehlenswert als Abschreckungs-Schaustück, wie auch generell mit halbwegs fortschrittlicher und unbedingt notwendiger Basis-Kultur umgegangen wird. Als gedachte und programmierte„Brutstätte der Kreativität“ hat sie längst ausgedient. Keiner der bisherigen Kultur-Landesräte (außer seinerzeit Fritz Astl) hat sich drübergetraut. Wie das Haus ausschaut, so schauen auch Teile der Basis-Kultur-Szene im Lande aus: fantasielos, armselig, verkümmert, deprimierend & einfältig. Das gilt noch intensiver und deprimierender für das Kulturbewußtsein öffentlicher Stellen mitsamt der damit verbundenen Kultur-Förderung, besonders im Landhaus und in der Stadt Innsbruck. Lustlos wird dahinvegetiert.

Landesfunk-Monopol ORF

Ganz so gilt es auch vom Landesfunk-Monopol ORF. Dort wird schier pausenlos in den Tiefen banal-primitiver Songs gesuhlt, begleitet von unsäglich-peinlichem Moderatorengewäsch. Jaja Tyrol-Kultur anno 2008 und dann kommt der Andreas Hofer und alles droht noch tiefer zu versinken!? WÖLL WÖLL. Und alles Gute und viel Widerständigkeit gegen das totale Absinken in Sumpf & Suff! Heil SNOW-Kultur? Eppan wöll und es grüßt – wieder einmal – hans haid aus dem Ötztal.