Texte von und über Hans Haid
es leidet die Natur
es leidet die Kultur
Hans Haid, 20.6.2005Leider kommen aus den Gefilden der Kraftwerksbetreiber, der Gletscherherren, der von uns gewählten Politiker, aber auch aus den Reihen der Protestierer und der vermeintlichen Heimatschützer keine Reaktionen der Hoffnung, der Freude, der Tyrol-Visionen. Immer härter und sturer bauen sich Fronten auf. Auf der einen Seite stures und undemokratisches Machtspiel um Wasser und Gletscher. Auf der anderen Seite ein Spiel mit falschen Waffen und mit vorgetäuschter Umweltsensibilität.
Parade-Umweltschützer
Agierende Personen im hintersten Ötztal spielen sich jetzt als Parade-Umweltschützer auf. Meine Faktensammlung im ÖTZTAL-ARCHIV beweist, wie dieselben Herren anno 1999 kämpferisch einen gewaltigen, einen schrecklichen Skizirkus Vent-Pitztal mitten durch das Naturschutzgebiet forderten. Wir wissen es: Bauern sind gegebenenfalls ebenso wie Touristiker käuflich. Ich erinnere an den Umhauser Kampf gegen die TIWAG- Allmacht beim weitgehenden Abdrehen des Stuibenfalles. Stundenweise und saisonweise darf so genanntes Restwasser über den Felsen stauben. Das war anno 1997. Jetzt darf mit TIWAG-Strom wenigstens am Mittwoch der Stuiben angestrahlt sein. Das ist vielleicht gut und schön und touristisch aktivierend. Sall wöll.
TIWAG & Gletscherzerstörung
Ich hätte erwartet, dass die Agitatoren gegen TIWAG-Monster im Ötztal, gegen GLETSCHER-Zerstörung im Pitztal und Kaunertal fundierter und glaubhafter mit konkreten Fakten des aktuellen Naturschutzes, mit der Alpenkonvention, mit Natura 2000 etc. argumentieren würden, Punkt für Punkt. Ich hätte erwartet, dass sich die zuständigen Verantwortlichen des Naturschutzes massiv und präzise und protestierend zu Wort melden: der Obmann LA Hans Peter Bock vom Naturpark Kaunergrat mitsamt seinem Team, der Obmann Ex-LA und BM Ernst Schöpf vom Naturpark Ötztal mitsamt seinem Team, der zuständige Landeshofrat LIEBL mitsamt seinem Team, die Herren der im Goldenen Dachl residierenden ALPENKONVENTION, die Verantwortlichen des ÖTZTALER HEIMATVEREIN usw. Zum Teil steckt hinter den spektakulär agierenden Widerständlern plumper Populismus mit vorgeschobenen Umweltschutz-Argumenten. Ehrliche Solidarität ist auch in diesem meinem Ötztal und Ventertal nicht gefragt. Jetzt wird sogar gemunkelt, der in schlimmsten Finanznöten befindliche (deutsche) Alpenverein, speziell der mächtige Grundbesitzer Sektion Berlin, wäre käuflich. Das kann nicht sein. Das darf nicht sein. Aber clevere Hüttenwirte erwarten sich goldene Nasen und Gelder. Offenbar wird aber - auf der anderen Seite - überaus erfolgreich geknebelt und gedroht, zensuriert und verbogen. Armselig verkleidete TIWAG- und LH-Ministranten versehen ihre Dienste zwischen Anpassung, einer Brise Protest und schlimmster Arschkriecherei. Bis hinauf zum ORF-Chefredakteur Sommersacher, der schriftlich einen ORF-Bericht aus dem Ötztal verboten hat. Gemäß der allgemeinen Meinung fühlen sich die brav-biederen Tiroler sowieso geduldig in Gottes Hand, Händchen aufhaltend, wenn der TIWAG-Segen als Restwasser durch die Täler rieselt. sooget vrgaltsgött und geat! Es leidet die Natur. Es leidet - noch mehr - die Kultur.






